
Österreichs Insolvenzsstatistik zeichnet für die ersten neun Monate 2026 ein gespaltenes Bild: Während die Zahl der Firmenpleiten laut dem Gläubigerschutzverband Creditreform geringfügig rückläufig ist, steigt die Zahl der zahlungsunfähigen Privatpersonen deutlich an. Insgesamt wurden bis Ende September 13.012 Insolvenzen registriert, ein Plus von 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Treiber dieser Entwicklung sind die Privatinsolvenzen, deren Anzahl binnen eines Jahres um 12,2 Prozent auf knapp 7.900 Fälle zulegte.
Bei den Unternehmen signalisiert die reine Fallzahl zunächst Stabilität: 5.115 Firmeninsolvenzen zwischen Jänner und September bedeuten ein Minus von 0,8 Prozent oder 41 Fällen im Vergleich zu 2025. Doch die Struktur der Pleiten hat sich verschlechtert. In mehr als 2.190 Fällen – rund 43 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen – musste das Verfahren mangels Vermögens abgewiesen werden. Diese Quote legte um 9,2 Prozent zu. Regulär eröffnete Unternehmensverfahren gingen dagegen zurück. Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer warnt daher vor einer voreiligen Entwarnung und verweist auf anhaltend hohe Kosten, schwache Nachfrage und ein schwieriges internationales Umfeld, das insbesondere margenschwache Betriebe unter Druck setzt.
Branchen wie das Bauwesen und das Beherbergungs- und Gaststättenwesen geraten in diesem Umfeld besonders in Bedrängnis. Im Bau kam es zu 666 Insolvenzen, ein Anstieg um 2,8 Prozent. Mit 27,6 Fällen je 1.000 Unternehmen liegt die Insolvenzquote hier nahezu doppelt so hoch wie der gesamtwirtschaftliche Schnitt von 13,9. In der Gastronomie und Hotellerie stiegen die Pleiten auf 620 Fälle, ein Plus von 5,3 Prozent; die Quote beträgt 14 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen. Für Gläubiger bedeutet der wachsende Anteil abgewiesener Firmenverfahren, dass im Fall einer Pleite zunehmend weniger Masse zur Verteilung bleibt.
Auf der privaten Seite verläuft die Entwicklung entgegengesetzt dynamisch. 7.897 Privatinsolvenzen wurden bis Ende September gezählt, im Schnitt sind das 29 Personen pro Tag, die in Österreich in die Insolvenz rutschen. Creditreform führt den kräftigen Anstieg auch auf einen Vorzieheffekt vor einer Gesetzesänderung zurück: Bis Mitte Juli war eine Entschuldung mit nur dreijähriger Rückzahlungsphase möglich. Viele Schuldner nutzten diese Frist und reichten noch rasch Anträge ein, was im Juni zu einem Plus von 48 Prozent und im Juli zu 69 Prozent mehr Privatinsolvenzen gegenüber den Vorjahresmonaten führte. Nach dem Auslaufen der verkürzten Entschuldungsphase gingen die Antragszahlen im September wieder um 24 Prozent zurück.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede bei den Privatinsolvenzen. Den stärksten Zuwachs verzeichnen Tirol mit plus 30,2 Prozent, gefolgt von der Steiermark mit 21,8 Prozent und dem Burgenland mit 20,4 Prozent. In Oberösterreich beträgt der Anstieg 18,8 Prozent. Absoluter und relativer Hotspot bleibt jedoch Wien: In der Bundeshauptstadt wurden bis Ende September 2.584 Privatinsolvenzen registriert, um 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Pro 10.000 erwachsene Einwohner entfallen hier 16,2 Privatinsolvenzen, während der österreichweite Durchschnitt bei 10,7 liegt. Die Zahlen unterstreichen, dass der moderate Rückgang bei den Firmenpleiten die wachsenden finanziellen Belastungen privater Haushalte und die zunehmende Ausfallgefahr für Gläubiger nicht überdeckt.
Eineinhalb Wochen nach der Berlin-Wahl kommt die Regierungsbildung in der Hauptstadt kaum voran. Zwar trafen sich Spitzenvertreterinnen und -vertreter von Linke, Grünen und SPD zu einem ersten Dreier-Treffen, doch eine gemeinsame Linie im Umgang mit Antisemitismus, Rassismus und organisierter Kriminalität zeichnet sich bislang nicht ab. Nach rund fünfstündigen Beratungen sprachen die Parteivorsitzenden Kerstin Wolter (Linke), Nina Stahr (Grüne) und Bettina König (SPD) lediglich von einem „konstruktiven“ Austausch – konkrete Ergebnisse präsentierten sie nicht.
Das vertrauliche Vorgespräch im Haus der Statistik nahe dem Alexanderplatz gilt als Voraussetzung für formale Sondierungsgespräche über eine mögliche rot-grün-rote Koalition. Grünen und SPD ist nach eigenen Angaben wichtig, dass die Linke klare und belastbare Zusagen im Kampf gegen Antisemitismus und zur Distanzierung von organisierter Kriminalität gibt. Das Misstrauen ist ausgeprägt: Mehrere Vorfälle in den Reihen der Linken hatten im Vorfeld für Besorgnis bei den potenziellen Partnern gesorgt.
Besonders kritisch gesehen wird, dass bei einer Wahlparty der Neuköllner Linken am 20. September sowohl ein Oberhaupt eines arabischstämmigen und zum Teil kriminellen Clans als auch ein umstrittener propalästinensischer Aktivist anwesend waren. Hinzu kommt die frühere Mitgliedschaft der Spitzenkandidatin Elif Eralp im Verein „Rote Hilfe“, der vom Verfassungsschutz seit 2012 als wichtige linksextremistische Gruppierung beobachtet wird. Die Organisation versteht sich zwar als Solidaritätsverein für linke Aktivisten mit Problemen mit dem Rechtsstaat, gilt den Sicherheitsbehörden aber als zentrale Struktur im Linksextremismus. Zuletzt trat auch der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sören Pellmann, der „Roten Hilfe“ bei.
Offen ist, wann die Gespräche in Berlin fortgesetzt werden. Die drei Parteien betonen, man wolle weiter miteinander reden, ein genauer Zeitplan wurde jedoch nicht genannt. Innerhalb der SPD wird bereits damit gerechnet, dass es mehr als ein Vorgespräch brauchen wird, bevor formelle Sondierungen starten können. Auf Bundesebene werden die Entwicklungen genau verfolgt: Die Hauptstadtwahl gilt als Stimmungsbarometer für den Umgang der Parteien mit Antisemitismus- und Extremismusvorwürfen – und als Belastungstest dafür, wie tragfähig ein erneutes Bündnis von Linken, Grünen und SPD in Berlin sein könnte.