Wiener Börse erholt sich nach Verlusten

10.03.2026


Die Wiener Börse hat am Mittwoch eine leichte Erholung nach den deutlichen Verlusten der Vortage verzeichnet. Der ATX schloss 1,51 Prozent höher auf 5.515,85 Punkte, nachdem der heimische Leitindex zu Wochenbeginn in der Spitze über sechs Prozent abgesackt war. Auch der ATX Prime legte um 1,46 Prozent auf 2.741,14 Zähler zu, während andere europäische Börsenbarometer Gewinne im ähnlichen Ausmaß verzeichneten.

Für die Entspannung an den Märkten sorgte vor allem der Rückgang der Öl- und Gaspreise von ihren jüngsten Kursspitzen. Die Energiepreise kamen am Mittwoch merklich von den Höchstwerten des Vortages zurück, bleiben im Vergleich zur Vorwoche jedoch noch deutlich erhöht. Dieser Rückgang dämpfte die Sorgen vor den wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts im Iran.

Zwei Faktoren trugen zur Beruhigung der Energiemärkte bei: Zum einen sorgten vage Hoffnungen auf mögliche Verhandlungen zur Beendigung des Konflikts für Entspannung. Die Zeitung "New York Times" hatte berichtet, dass iranische Geheimdienstmitarbeiter indirekt an den US-Geheimdienst CIA ein Angebot zur Verhandlung von Bedingungen für ein Kriegsende unterbreitet hätten, was das iranische Geheimdienstministerium jedoch dementierte. Zum anderen hatte eine Ankündigung von US-Präsident Donald Trump den Anstieg der Ölpreise gebremst, wonach die US-Marine Tanker bei der Durchfahrt durch die Straße von Hormuz eskortieren könnte und Trump Risikoversicherungen und Garantien für den gesamten Seehandel in der Region in Aussicht stellte.

Unter den Einzeltiteln zählten einige Werte, die an den vergangenen Tagen deutlich Federn lassen mussten, zu den größeren Gewinnern. So zogen FACC um 10,9 Prozent an, AT&S konnte sich um 7,4 Prozent erholen und Do&Co gewann 3,7 Prozent. Die schwer gewichteten Banken Erste Group und BAWAG erholten sich um 2,8 respektive 1,1 Prozent. Der Baukonzern Porr legte nach Zahlen um 2,4 Prozent zu, wobei Analyst Michael Marschallinger von der Erste Group von einer soliden Ertragsdynamik und robusten Auftragslage sprach, die auf Aufwärtspotenzial deute.

Russland-Öl trotz Krieg: US-Schritt setzt Bundesregierung unter Druck

15.03.2026


Die vorübergehende Lockerung der US-Sanktionen gegen russisches Erdöl sorgt in der deutschen Politik für deutliche Irritationen. Washington hat entschieden, für 30 Tage den Verkauf von auf See befindlichem russischem Öl zu erlauben, um die Folgen stark gestiegener Energiepreise abzufedern. Aus Berlin kommt quer durch mehrere Parteien Kritik an diesem Schritt, der mitten in den anhaltenden Kampfhandlungen in der Ukraine erfolgt und gleichzeitig mit den US-Luftangriffen auf Ziele im Iran zusammenfällt.

Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Entscheidung der US-Regierung als „falsch“ und machte deutlich, dass Berlin an der bisherigen Sanktionslinie gegen Moskau festhalten will. „Wir halten es für falsch, die Sanktionen zu lockern“, sagte Merz. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reich warnte vor den finanziellen Folgen eines solchen Schrittes: Sie mache sich Sorgen, „dass wir Putins Kriegskassen nicht noch weiter füllen“. Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter betonte, Russland verdiene durch zusätzliche Öleinnahmen „wieder richtig Geld“ – mit der Folge, dass die Ukraine weiter unter Druck gerate, falls es kein Gegengewicht aus dem Westen gebe.

Besonders scharf fiel die Kritik des Linken-Vorsitzenden Jan van Aken aus, der von einem „doppelt falschen Signal“ sprach. Er verwies darauf, dass US-Präsident Donald Trump selbst einen aus seiner Sicht völkerrechtswidrigen Angriffskrieg führe und den Iran bombardiere, woraufhin die Ölpreise explodierten. Anschließend erlaube Washington den Verkauf russischen Öls: „Dann sagt er im Grunde genommen: Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands ist uns egal. Die dürfen jetzt ihr Öl verkaufen. Was ist denn das für ein Zeichen an die Welt?“ Das signalisiere aus seiner Sicht das „Recht des Stärkeren“ – wer Macht habe, dürfe andere Länder bombardieren.

In der deutschen Debatte formiert sich zugleich Widerspruch gegen den strikten Kurs der Bundesregierung. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) fordert einen nationalen Kurswechsel und drängt darauf, dass Deutschland – anders als bisher – wieder russisches Öl importiert. BSW-Chef Fabio De Masi argumentiert, die USA nutzten russisches Öl zur Dämpfung der Energiepreise, während Deutschland trotz explodierender Kosten darauf verzichte. Er plädiert dafür, über die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt erneut russisches Öl zu beziehen, eine Übergewinnsteuer auf Krisenprofiteure einzuführen und die Spritpreise durch eine sofortige Aussetzung der CO₂-Abgabe zu senken.

Damit prallen in Berlin zwei Linien aufeinander: Auf der einen Seite steht der Anspruch, den wirtschaftlichen Druck auf Moskau durch strikte Sanktionen aufrechtzuerhalten, auf der anderen der Wunsch nach Entlastung von Verbrauchern und Industrie in einer Phase hoher Energiepreise. Die US-Sondererlaubnis für russische Ölverkäufe dient dabei sowohl den Kritikern als auch den Befürwortern eines deutschen Kurswechsels als Argument – die einen sehen darin eine gefährliche Aufweichung der Sanktionsfront, die anderen einen Beleg dafür, dass auch enge Verbündete ihre Energiepolitik pragmatisch an den eigenen wirtschaftlichen Interessen ausrichten.