
Giesecke+Devrient (G+D) schreibt in einem von geopolitischen Krisen und technologischen Umbrüchen geprägten Umfeld Rekordzahlen. Der Münchner Sicherheits- und Banknotenspezialist verzeichnete im vergangenen Jahr einen Auftragseingang von 3,6 Milliarden Euro – den höchsten Wert in der 174-jährigen Unternehmensgeschichte. Das entspricht einem Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz kletterte auf knapp 3,2 Milliarden Euro und markierte damit ebenfalls einen Rekord.
Das 1852 gegründete Unternehmen profitiert von der wachsenden Nachfrage nach verlässlicher Sicherheitsinfrastruktur in Finanzsystemen, im Behördenumfeld und in der Telekommunikation. Bekannt ist G+D vor allem als einer der beiden deutschen Hersteller von Euro-Banknoten neben der Bundesdruckerei. Zunehmend an Bedeutung gewinnt jedoch das Hightech-Geschäft: Der Konzern entwickelt Verschlüsselungs- und Authentifizierungssoftware für Banken und Versicherungen, liefert Chips für Kredit- und Girokarten sowie SIM- und eSIM-Karten für Mobiltelefone und stellt Sicherheitstechnik für öffentliche Stellen und Netzbetreiber bereit.
Vorstandschef Ralf Wintergerst spricht von einem „gleichmäßig gut gefahrenen“ Geschäft über alle drei Sparten hinweg und sieht Sicherheitstechnologien insgesamt im Aufwind. Zwar ging der Nettogewinn aufgrund eines Steuereffekts um gut drei Prozent auf 85 Millionen Euro zurück, operativ zeigt der Trend jedoch klar nach oben. Der Rekord-Auftragseingang unterstreicht, dass Kunden weltweit verstärkt in Lösungen investieren, die physische und digitale Infrastrukturen gegen Ausfälle, Angriffe und Manipulationen absichern sollen.
Besonders dynamisch entwickelt sich der Bereich digitale Sicherheit, in dem sich G+D auf das Zeitalter der Quantencomputer vorbereitet. Diese Systeme könnten mit ihrer deutlich höheren Rechenleistung herkömmliche Verschlüsselungsverfahren angreifbar machen. Das Unternehmen arbeitet daher an der Weiterentwicklung seiner Sicherheitslösungen, etwa mit längeren Schlüsseln und angepassten Verfahren, um künftigen Anforderungen standzuhalten. Obwohl G+D als nicht börsennotierter Konzern selten im Rampenlicht steht, unterstreichen die aktuellen Kennzahlen seine Rolle als zentrale, aber weitgehend diskrete Infrastrukturgröße in der globalen Sicherheitsarchitektur.

Das von der Stilllegung bedrohte Chemiewerk Domo Caproleuna in Leuna ist gerettet. Der Standort des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals wurde an eine neu gegründete Auffanggesellschaft übertragen, wie Insolvenzverwalter Lucas Flöther mitteilte. Träger der neuen Einheit sind demnach der Standortbetreiber InfraLeuna sowie das im Chemiepark ansässige Unternehmen Leuna-Harze. Flöther sprach von einer „Rettung in letzter Minute in einem in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Verfahren“.
Die neue Erwerbergesellschaft übernimmt den Angaben zufolge das Werk, die Immobilie in Leuna und 436 der zuletzt rund 500 Beschäftigten. Für einen Teil der Belegschaft bedeutet der Eigentümerwechsel damit dennoch das Aus. Domo in Leuna ist einer von drei deutschen Standorten des Konzerns. In der Anlage werden vor allem Kunststoffe produziert, die in der Autoindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche weiterverarbeitet werden und damit eine wichtige Rolle in industriellen Lieferketten spielen.
Der Fortbestand des Werks gilt als positives Signal für die deutsche Chemieindustrie, die seit Jahren unter Druck steht. Steigende Energiepreise, US-Zölle, eine schwache Konjunktur und Überkapazitäten am Weltmarkt belasten die Branche. Der Krieg im Iran hat die Lage weiter verschärft, weil die energieintensiven Chemieunternehmen besonders sensibel auf den Anstieg der Öl- und Gaspreise reagieren. Große Konzerne wie BASF haben bereits Sparprogramme mit Stellenabbau aufgelegt und teilweise Anlagen stillgelegt.
Die Probleme der Branche treffen auch das sogenannte Chemiedreieck in Sachsen-Anhalt, in dem sich eine dichte Zulieferindustrie angesiedelt hat. Vor diesem Hintergrund erhält die Lösung in Leuna über den Standort hinaus Bedeutung. Flöther führt den Geschäftsbetrieb seit Ende Dezember fort. Nach seinen Worten hätte das Werk unter normalen Umständen bereits im Januar stillgelegt werden müssen, weil das Unternehmen kein Geld mehr zur Finanzierung des laufenden Betriebs gehabt habe. Dass der Betrieb trotzdem weiterlaufen konnte, war Teil der jetzt gefundenen, als außergewöhnlich beschriebenen Auffanglösung.