
Die Grüne Jugend hat nach dem Wahlsieg der Grünen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ein Forderungspapier an den Spitzenkandidaten Cem Özdemir gerichtet. In dem Sechs-Punkte-Papier, über das das "Handelsblatt" berichtete, mahnt die Nachwuchsorganisation eine sozialere Ausrichtung der künftigen Landesregierung an. "Wahlsiege sind nichts wert, wenn sie nicht dafür sorgen, dass die Menschen eine Landesregierung bekommen, die klar erkennbare soziale Politik macht", zitiert die Zeitung aus dem Dokument.
Konkret fordert die Grüne Jugend, dass der ehemalige Grünen-Politiker Boris Palmer keine Funktion in einer neuen Landesregierung erhalten darf. Die Organisation begründet dies mit seinen "Haltungen und wiederholten rassistischen Äußerungen", die mit den Grundwerten der Partei unvereinbar seien. Palmer hatte die Grünen nach Vorwürfen verlassen und war zuvor als Tübinger Oberbürgermeister tätig.
Weitere Forderungen betreffen die Aufnahme eines Verbotsverfahrens gegen die AfD in den Koalitionsvertrag sowie die Ablehnung von Verschärfungen der Asyl- und Migrationspolitik im Bundesrat. Die Grüne Jugend verlangt zudem die Bekämpfung der Vermögensungleichheit und setzt sich für einen bundesweiten Mietendeckel ein. Besonders betont wird die Forderung nach einer Ausweitung der Mietpreisbremse, was als zentrales sozialpolitisches Anliegen der Organisation gilt.
Bereits im Vorfeld der Wahl hatte sich die Grüne Jugend kritisch zu Özdemir geäußert. Der Sprecher Louis Bobga äußerte Zweifel, ob Özdemirs Politik am Ende "grüne Politik" sei. Die Organisation betont jedoch, dass Özdemir mit dem Anspruch angetreten sei, "Politik für die breite Gesellschaft in Baden-Württemberg zu machen" - ein Anspruch, den sie nun eingelöst sehen möchte. Die Forderungen zeigen, dass die Parteijugend Einfluss auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen und die künftige Regierungsarbeit nehmen will.

Delivery Hero gerät nach einem massiven Kursrückgang zunehmend ins Visier seiner Großaktionäre. Der in Hongkong ansässige Vermögensverwalter Aspex Management, der 9,2 Prozent an dem im MDax gelisteten Essenslieferdienst hält, fordert vom Management um Firmengründer und Vorstandschef Niklas Östberg eine deutlich schärfere strategische Neuausrichtung. In einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben verlangt Aspex eine „rasche glaubwürdige strategische Neuausrichtung, die Wert schafft“ und bringt unter anderem einen Rückzug des Konzerns aus ganzen Regionen ins Spiel.
Der Druck der Investoren trifft ein Unternehmen, dessen Aktie bereits seit Monaten deutlich unter Druck steht. In den vergangenen drei Monaten verloren Anteilseigner von Delivery Hero rund 23,89 Prozent ihres Einsatzes. Im Vergleich zur Vorwoche liegt das Papier 2,48 Prozent niedriger, auf Sicht eines Monats summiert sich das Minus auf 23,90 Prozent. Seit Jahresbeginn beläuft sich der Rückgang auf 24,42 Prozent. Damit entwickelte sich der Essenslieferdienst deutlich schwächer als der insgesamt weniger volatile MDax, der am Mittwoch im frühen Handel um 1,6 Prozent nachgab.
Mit rund 300 Millionen ausstehenden Aktien kommt Delivery Hero aktuell auf eine Marktkapitalisierung von etwa 5,14 Milliarden Euro. Die Kombination aus anhaltendem Kursdruck und wachsender Unzufriedenheit bedeutender Anteilseigner verschärft die Lage für Östberg, der das Unternehmen 2011 mitgründete und seitdem führt. In dem von mittelgroßen Werten geprägten MDax ist es zwar nicht ungewöhnlich, dass Vorstände unter der genauen Beobachtung aktiver Investoren stehen. Doch der Vorstoß von Aspex, verbunden mit der Drohung, bei Ausbleiben eines Strategiewechsels Konsequenzen zu ziehen, hebt den Druck auf die Führungsetage auf ein neues Niveau.
Konkrete Maßnahmen über den von Aspex geforderten möglichen Rückzug aus ganzen Regionen hinaus sind bislang nicht öffentlich bekannt. Klar ist jedoch, dass Delivery Hero seine Aktionäre nach der jüngsten Kursentwicklung verstärkt von einem tragfähigen Geschäftsmodell und einer belastbaren Wachstumsstrategie überzeugen muss. Ob und in welchem Umfang das Management auf die Forderungen von Aspex eingeht, dürfte entscheidend dafür sein, ob sich der Vertrauensverlust am Kapitalmarkt eindämmen lässt – oder ob der Konflikt mit dem Großaktionär die Debatte über die künftige Aufstellung des Konzerns und die Position von Östberg weiter anheizt.