Rechtsaußen-Attacken auf Jugendzentren und Vereine nehmen zu, warnt Studie

01.04.2026


Initiativen, die sich bundesweit für Demokratie und gegen Rechtsextremismus engagieren, registrieren nach einer neuen Auswertung der Amadeu Antonio Stiftung zunehmenden Druck von rechts. Der Report mit dem Titel „Feindbild Zivilgesellschaft“ dokumentiert für das vergangene Jahr 112 Vorfälle – von Kampagnen gegen Vereine bis hin zu offenen Bedrohungen. Ziel dieser Aktivitäten sei es, „gesellschaftliches Engagement komplett zum Erliegen zu bringen“, sagte Lea Lochau, Rechtsextremismusexpertin der Stiftung.

Den Angaben zufolge entfallen 56 der erfassten Vorfälle auf ostdeutsche Bundesländer, 14 weitere auf Berlin. 42 Fälle registrierte die Stiftung in Westdeutschland. Grundlage sind Medienberichte; die Autoren gehen von einer erheblichen Dunkelziffer aus. In die Zählung fließen „politische Interventionen“ wie Diffamierungskampagnen in sozialen Netzwerken oder Parlamenten ebenso ein wie „gewaltbezogene Angriffe“, darunter Bedrohungen auf der Straße oder tätliche Übergriffe etwa auf Jugendzentren.

Die 1998 gegründete Amadeu Antonio Stiftung engagiert sich nach eigenen Angaben gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus und befindet sich seit Jahren im Konflikt mit der AfD. Ende 2025 beantragte die Partei im Bundestag, der Stiftung wegen „möglicher Verbindungen in ein politisch extremes Umfeld“ alle staatlichen Mittel zu entziehen. Parallel ist die Organisation von Einschnitten beim Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ betroffen, die Familienministerin Karin Prien (CDU) angekündigt hat. Die geplanten Kürzungen treffen damit just jene Strukturen, die nach Darstellung des Reports verstärkt unter Druck geraten.

Aus Sicht der Stiftung versuchen rechte Akteure, staatlich geförderte Projekte gezielt als „links“ oder „extrem“ zu brandmarken, um ihre Legitimität infrage zu stellen. In dem 16-seitigen Papier heißt es zugleich, weniger als zwei Prozent der zivilgesellschaftlichen Organisationen in Deutschland verstünden sich überhaupt als Akteure politischer Willensbildung. Der weit überwiegende Teil sei in Feldern wie Jugendarbeit, Beratung oder Bildungsarbeit aktiv. Die Stiftung warnt, anhaltende Diffamierung und finanzielle Unsicherheit könnten das Engagement vor Ort schwächen – mit Folgen für demokratische Teilhabe weit über die direkt betroffenen Projekte hinaus.

Kostenloses Lungenkrebs-Screening: Berliner Kliniken machen den Anfang

01.04.2026


In Berlin und Brandenburg startet ein neues Angebot zur Früherkennung von Lungenkrebs für langjährige starke Raucher. Ab April haben Betroffene Anspruch auf eine jährliche Untersuchung mittels Niedrigdosis-Computertomographie (CT), die kostenlos angeboten wird. Ziel ist es, Tumoren in der Lunge früher aufzuspüren – eine Krebsart, die in Deutschland zwar zu den häufigsten zählt, aber oft erst in späten Stadien diagnostiziert wird.

Einige Kliniken in der Hauptstadtregion sind bereits vor dem offiziellen Starttermin aktiv. An der Berliner Charité läuft ein Pilotprojekt seit der zweiten Märzwoche, in dessen Rahmen schon in der ersten Woche 30 Teilnehmer untersucht wurden, wie Radiologe Jens Vogel-Claussen mitteilte. Über eine eigens eingerichtete Webseite der Klinik können Interessierte prüfen, ob sie für das Screening infrage kommen, und direkt Termine buchen.

Weitere Standorte wollen in den kommenden Wochen nachziehen. Am Lungenkrebszentrum des Helios Klinikums Emil von Behring beginnt die Früherkennung im April, wie die Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) erklärte. Der kommunale Klinikkonzern Vivantes plant, das Screening innerhalb seiner Medizinischen Versorgungszentren sowie an mindestens drei Klinikstandorten anzubieten. Nach Erteilung der nötigen Genehmigungen soll das Programm dort zeitnah starten.

In niedergelassenen Arztpraxen wird das Angebot hingegen nicht flächendeckend zum 1. April zur Verfügung stehen. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin braucht die Umsetzung mehr Vorlauf. Ärzte sollen ihre Patienten für das Screening an radiologische Praxen überweisen können. Trotz der Verzögerungen sieht sich Berlin nach eigenen Angaben gut vorbereitet und will gemeinsam mit Radiologinnen und Radiologen den Ausbau des Programms vorantreiben, bis das Screening in der Region breiter verfügbar ist.