
Mercedes-Benz Vans stellt seine Strategie neu auf und will den Fokus noch stärker auf gewerbliche Kunden richten. Nach einem Absatzrekord im Jahr 2023 mit 447.800 verkauften Einheiten verzeichnete die Sparte in den Folgejahren einen Rückgang und kam 2025 auf 359.136 Fahrzeuge. Für das laufende Jahr erwartet der Konzern wieder ein leichtes Plus. Mittelfristig soll die Vans-Sparte nach den Worten von Bereichsvorstand Thomas Klein wieder in Größenordnungen vorstoßen, die sie bereits erreicht hatte – einen konkreten Zeitraum nennt er dafür nicht.
Rund 80 Prozent des Geschäfts entfallen laut Klein auf gewerbliche Kunden, etwa Handwerker, Spediteure und Lieferdienste. In diesem Segment sind Modelle wie der Sprinter und der Vito besonders gefragt. Die übrigen 20 Prozent entfallen auf private Käufer, die beispielsweise die V-Klasse mit bis zu acht Sitzen oder die Reisemobil-Variante Marco Polo nutzen. Angesichts der Bedeutung des Profisegments bewertet Klein es als konsequent, gewerblichen Kunden in der künftigen Ausrichtung noch mehr Raum einzuräumen und sie „noch stärker, noch intensiver und noch besser“ zu betreuen.
Ein zentrales Element der Neuausrichtung ist der Ausbau der E-Mobilität. Der Anteil vollelektrischer Vans lag zuletzt bei rund acht Prozent und damit leicht unter dem Pkw-Anteil des Konzerns. Gewerbliche Kunden hätten andere Anforderungsprofile als private Nutzer, betont Klein – etwa bei Reichweite, Ladeinfrastruktur und Betriebskosten. Mercedes-Benz Vans will Flottenkunden beim Umstieg auf batterieelektrische Fahrzeuge stärker unterstützen, unter anderem mit Lösungen für das Laden im Depot, um den täglichen Einsatz im Verteiler- und Serviceverkehr zu erleichtern.
Parallel zur strategischen Schwerpunktsetzung auf E-Mobilität und gewerbliche Käufer arbeitet die Sparte an der Profitabilität. Die Umsatzrendite lag 2025 bei 10,2 Prozent und damit niedriger als zuvor, wird von Klein aber weiterhin als positiv bewertet. Impulse erhofft sich Mercedes-Benz Vans von neuen Modellen auf einer eigens entwickelten Van-Architektur. Dazu zählt der elektrische VLE, der Platz für bis zu acht Personen bietet und damit sowohl Familien als auch exklusive Shuttle-Dienste adressiert. Die Markteinführung solcher Fahrzeuge gilt intern als wichtiger Baustein, um Absatz und Ertragskraft der Vans-Sparte wieder zu steigern.

Delivery Hero gerät nach einem massiven Kursrückgang zunehmend ins Visier seiner Großaktionäre. Der in Hongkong ansässige Vermögensverwalter Aspex Management, der 9,2 Prozent an dem im MDax gelisteten Essenslieferdienst hält, fordert vom Management um Firmengründer und Vorstandschef Niklas Östberg eine deutlich schärfere strategische Neuausrichtung. In einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben verlangt Aspex eine „rasche glaubwürdige strategische Neuausrichtung, die Wert schafft“ und bringt unter anderem einen Rückzug des Konzerns aus ganzen Regionen ins Spiel.
Der Druck der Investoren trifft ein Unternehmen, dessen Aktie bereits seit Monaten deutlich unter Druck steht. In den vergangenen drei Monaten verloren Anteilseigner von Delivery Hero rund 23,89 Prozent ihres Einsatzes. Im Vergleich zur Vorwoche liegt das Papier 2,48 Prozent niedriger, auf Sicht eines Monats summiert sich das Minus auf 23,90 Prozent. Seit Jahresbeginn beläuft sich der Rückgang auf 24,42 Prozent. Damit entwickelte sich der Essenslieferdienst deutlich schwächer als der insgesamt weniger volatile MDax, der am Mittwoch im frühen Handel um 1,6 Prozent nachgab.
Mit rund 300 Millionen ausstehenden Aktien kommt Delivery Hero aktuell auf eine Marktkapitalisierung von etwa 5,14 Milliarden Euro. Die Kombination aus anhaltendem Kursdruck und wachsender Unzufriedenheit bedeutender Anteilseigner verschärft die Lage für Östberg, der das Unternehmen 2011 mitgründete und seitdem führt. In dem von mittelgroßen Werten geprägten MDax ist es zwar nicht ungewöhnlich, dass Vorstände unter der genauen Beobachtung aktiver Investoren stehen. Doch der Vorstoß von Aspex, verbunden mit der Drohung, bei Ausbleiben eines Strategiewechsels Konsequenzen zu ziehen, hebt den Druck auf die Führungsetage auf ein neues Niveau.
Konkrete Maßnahmen über den von Aspex geforderten möglichen Rückzug aus ganzen Regionen hinaus sind bislang nicht öffentlich bekannt. Klar ist jedoch, dass Delivery Hero seine Aktionäre nach der jüngsten Kursentwicklung verstärkt von einem tragfähigen Geschäftsmodell und einer belastbaren Wachstumsstrategie überzeugen muss. Ob und in welchem Umfang das Management auf die Forderungen von Aspex eingeht, dürfte entscheidend dafür sein, ob sich der Vertrauensverlust am Kapitalmarkt eindämmen lässt – oder ob der Konflikt mit dem Großaktionär die Debatte über die künftige Aufstellung des Konzerns und die Position von Östberg weiter anheizt.