Klimaextreme verschieben den Wasserkreislauf – Risiken für Haushalte, Industrie und Natur

24.03.2026


Teils freigelegter Seegrund am Bodensee, eingeschränkter Schiffsverkehr auf dem Rhein: Bilder aus den vergangenen Jahren haben deutlich gemacht, dass Wasserknappheit längst kein fernes Phänomen mehr ist. Auch in Deutschland können Trockenperioden die Pegel von Flüssen und Seen zeitweise so weit sinken lassen, dass Transportwege gestört und Ökosysteme geschwächt werden – wenn auch nicht flächendeckend und nicht zu jeder Zeit. Gleichzeitig steht andernorts binnen kurzer Zeit zu viel Wasser zur Verfügung, etwa bei Starkregen und Hochwasserereignissen.

Im Kern geht es weniger um eine absolute Knappheit, sondern um ein zunehmend sprunghaftes Wasserdargebot – also die Menge an nutzbarem Grund- und Oberflächenwasser über das Jahr hinweg. Nach Angaben des Umweltbundesamts unterliegt dieses Dargebot starken wetterbedingten Schwankungen. 2025 etwa registrierte der Deutsche Wetterdienst zu wenig Regen vor allem zwischen Februar und Mai, im Juli dagegen zu viel. Wasser ist damit häufig zur falschen Zeit am falschen Ort: In Trockenphasen fehlen Reserven, während Starkregenereignisse Flüsse und Böden binnen Stunden überfordern können.

Die Folgen treffen nicht nur Infrastruktur und Wirtschaft, sondern auch die Ökosysteme. Die Naturschutzorganisation BUND warnt, dass beim Austrocknen von Flüssen, Bächen oder Seen ganze Populationen von Fischen, Amphibien oder Muscheln sterben können. Umgekehrt kann der Boden bei starken Niederschlägen große Wassermengen nicht vollständig aufnehmen, sodass wertvolles Süßwasser ungenutzt abfließt. Verstärkt wird der Druck durch eine vom Klimawandel begünstigte längere Vegetationszeit: Pflanzen benötigen dadurch insgesamt mehr Wasser, während die Verfügbarkeit im Jahresverlauf unregelmäßiger wird.

Deutschland verzeichnet trotz dieser Schwankungen bislang keinen flächendeckenden Wasserstress, also keine dauerhafte Situation, in der im Verhältnis zum Bedarf von Bevölkerung, Landwirtschaft, Industrie und Natur zu wenig nutzbares Süßwasser zur Verfügung steht. Global stellt sich die Lage deutlich angespannter dar. Nach Unesco-Daten leidet schon heute etwa die Hälfte der Weltbevölkerung jährlich zumindest zeitweise unter schwerer Wasserknappheit. Zugleich ist der Verbrauch hoch konzentriert: Rund 72 Prozent des weltweit genutzten Wassers entfallen auf die Landwirtschaft, 15 Prozent auf die Industrie, etwa 13 Prozent auf Haushalte und Siedlungen. Das Weltwirtschaftsforum hat Wasserknappheit vor diesem Hintergrund bereits 2019 als größte Gefahr dieses Jahrzehnts eingestuft – mit dem Hinweis, dass sich die Auswirkungen des Klimawandels weltweit am unmittelbarsten über das Wasser bemerkbar machen dürften.

Grab sichert sich Markteintritt in Taiwan mit 600-Millionen-Übernahme

24.03.2026


Delivery Hero verschlankt sein globales Portfolio und verkauft sein Essensliefergeschäft Foodpanda in Taiwan für 600 Millionen US‑Dollar in bar an Grab Holdings Limited. Wie der in Berlin ansässige Konzern mitteilte, soll der Abschluss der Transaktion in der zweiten Jahreshälfte 2026 erfolgen, vorbehaltlich der üblichen regulatorischen Genehmigungen. Der Deal ist als cash- und schuldenfreie Transaktion strukturiert.

Der Essenslieferdienst will den Nettoerlös in erster Linie zum Abbau von Verbindlichkeiten und für allgemeine Unternehmenszwecke einsetzen, um die eigene Kapitalstruktur weiter zu stärken. Konzernchef Niklas Östberg bezeichnete den Verkauf als wichtigen ersten Schritt in der laufenden strategischen Prüfung. Ziel sei es, den Wert für die Aktionäre zu steigern und das vorhandene Kapital effizienter zu allokieren.

Die Börse reagierte positiv: Die Aktie von Delivery Hero legte zuletzt um rund acht Prozent zu und zählte damit zu den stärksten Werten im MDax. Branchenexperte Andrew Ross von Barclays wertete den Schritt als positiv und erwartet, dass sich der Unternehmenswert durch solche Transaktionen erhöht. Investoren hatten das Management zuvor Berichten zufolge zu Verkäufen von Geschäftsfeldern gedrängt, um die Bilanz zu stärken und die Profitabilität zu verbessern.

Foodpanda Taiwan erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Bruttowarenwert (Gross Merchandise Value, GMV) von 1,5 Milliarden Euro und – bereinigt um Konzernkosten – ein positives angepasstes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Für Grab ist die Übernahme der Plattform ein strategischer Schritt in den taiwanischen Markt. Konzernchef Anthony Tan bezeichnete den Kauf als „natürlichen nächsten Schritt“ und sieht erhebliches Wachstumspotenzial im Bereich Essens- und Lebensmittellieferungen in Taiwan.

Der Verkauf fügt sich in eine breitere Neuaufstellung von Delivery Hero ein. Bereits im Dezember hatte das Unternehmen angekündigt, den Verkauf von Unternehmensteilen zu prüfen und neben potenziellen strategischen Partnerschaften auch Kapitalmarkttransaktionen für einzelne Ländergesellschaften zu erwägen. Zudem stehen „wertsteigernde Maßnahmen zur Kapitalstruktur und Kapitalallokation“ im Fokus. In der Region Südostasien hatte Delivery Hero schon länger den Ausstieg aus bestimmten Märkten ins Auge gefasst; frühere Verhandlungen mit Interessenten waren allerdings an den Konditionen gescheitert.