Deutschlands Vaping-Markt: Legaler Umsatz steigt, Schattenwirtschaft wächst

11.03.2026


Der deutsche Markt für E-Zigaretten wird zunehmend von illegalen Produkten überschwemmt. Während der legale Umsatz 2025 auf rund 2,4 Milliarden Euro anstieg, stammen nach Branchenschätzungen bis zu 40 Prozent der konsumierten Vapes aus illegalen Quellen, mit steigender Tendenz. Jan Mücke, Geschäftsführer des Branchenverbandes BVTE, warnt vor den Ausmaßen des Problems: "Bis zu 40 Prozent der hier konsumierten Vapes kommen aus illegalen Quellen, Tendenz steigend." Mehrere Studien der vergangenen Monate bestätigen diese Entwicklung.

Die zuständigen Behörden räumen ein, der Lage kaum noch Herr zu werden. "Als Zoll müssen wir vor illegalen Tabak- und Nikotinprodukten mehr oder minder kapitulieren, weil die Masse so groß ist", sagte Thomas Liebel, Bundesvorsitzender der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft. Der illegale Markt wachse "in einem schwindelerregenden Tempo". Untersuchungen im Auftrag des BVTE zeigen, dass bei 60 kontrollierten Verkaufsstellen zehn illegale Produkte im Sortiment führten - etwa jede sechste Stelle.

Rund 90 Prozent der illegalen Ware stammen aus China und gelangen in gewöhnlichen Postpaketen nach Europa. Täglich erreichen zwölf Millionen Sendungen EU-weit die Grenzen. Die geschmuggelten Produkte bieten bis zu 25.000 Züge pro Gerät, während in Deutschland legal verkaufte Einweg-Vapes auf 1.000 Züge begrenzt sind. Rico Back vom Beratungsunternehmen SKR ordnet die Dimension ein: "Was wie harmlose Sendungen aussieht, summiert sich zu einem milliardenschweren Schattenmarkt." Die Gewinnspannen für die Hintermänner seien enorm, das Risiko aufzufliegen dagegen gering.

Ein geplantes Verbot von Menthol und weiteren Inhaltsstoffen durch die Bundesregierung könnte die Situation weiter verschärfen. Sollte dieses tatsächlich kommen, könnte sich der Schwarzmarkt-Anteil bis 2030 verdoppeln, warnt der BVTE. Grund dafür sei, dass viele Konsumenten auf illegale Kanäle ausweichen würden, um die Menthol-Produkte weiterhin zu bekommen. Der prozentuale Anstieg wäre besonders heftig, da die Nachfrage nach E-Zigaretten insgesamt weiter wächst - Vaping ist im Trend, die Nutzung steigt Jahr für Jahr.

Russland-Öl trotz Krieg: US-Schritt setzt Bundesregierung unter Druck

15.03.2026


Die vorübergehende Lockerung der US-Sanktionen gegen russisches Erdöl sorgt in der deutschen Politik für deutliche Irritationen. Washington hat entschieden, für 30 Tage den Verkauf von auf See befindlichem russischem Öl zu erlauben, um die Folgen stark gestiegener Energiepreise abzufedern. Aus Berlin kommt quer durch mehrere Parteien Kritik an diesem Schritt, der mitten in den anhaltenden Kampfhandlungen in der Ukraine erfolgt und gleichzeitig mit den US-Luftangriffen auf Ziele im Iran zusammenfällt.

Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Entscheidung der US-Regierung als „falsch“ und machte deutlich, dass Berlin an der bisherigen Sanktionslinie gegen Moskau festhalten will. „Wir halten es für falsch, die Sanktionen zu lockern“, sagte Merz. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reich warnte vor den finanziellen Folgen eines solchen Schrittes: Sie mache sich Sorgen, „dass wir Putins Kriegskassen nicht noch weiter füllen“. Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter betonte, Russland verdiene durch zusätzliche Öleinnahmen „wieder richtig Geld“ – mit der Folge, dass die Ukraine weiter unter Druck gerate, falls es kein Gegengewicht aus dem Westen gebe.

Besonders scharf fiel die Kritik des Linken-Vorsitzenden Jan van Aken aus, der von einem „doppelt falschen Signal“ sprach. Er verwies darauf, dass US-Präsident Donald Trump selbst einen aus seiner Sicht völkerrechtswidrigen Angriffskrieg führe und den Iran bombardiere, woraufhin die Ölpreise explodierten. Anschließend erlaube Washington den Verkauf russischen Öls: „Dann sagt er im Grunde genommen: Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands ist uns egal. Die dürfen jetzt ihr Öl verkaufen. Was ist denn das für ein Zeichen an die Welt?“ Das signalisiere aus seiner Sicht das „Recht des Stärkeren“ – wer Macht habe, dürfe andere Länder bombardieren.

In der deutschen Debatte formiert sich zugleich Widerspruch gegen den strikten Kurs der Bundesregierung. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) fordert einen nationalen Kurswechsel und drängt darauf, dass Deutschland – anders als bisher – wieder russisches Öl importiert. BSW-Chef Fabio De Masi argumentiert, die USA nutzten russisches Öl zur Dämpfung der Energiepreise, während Deutschland trotz explodierender Kosten darauf verzichte. Er plädiert dafür, über die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt erneut russisches Öl zu beziehen, eine Übergewinnsteuer auf Krisenprofiteure einzuführen und die Spritpreise durch eine sofortige Aussetzung der CO₂-Abgabe zu senken.

Damit prallen in Berlin zwei Linien aufeinander: Auf der einen Seite steht der Anspruch, den wirtschaftlichen Druck auf Moskau durch strikte Sanktionen aufrechtzuerhalten, auf der anderen der Wunsch nach Entlastung von Verbrauchern und Industrie in einer Phase hoher Energiepreise. Die US-Sondererlaubnis für russische Ölverkäufe dient dabei sowohl den Kritikern als auch den Befürwortern eines deutschen Kurswechsels als Argument – die einen sehen darin eine gefährliche Aufweichung der Sanktionsfront, die anderen einen Beleg dafür, dass auch enge Verbündete ihre Energiepolitik pragmatisch an den eigenen wirtschaftlichen Interessen ausrichten.