Adidas verzeichnet Rekordumsatz und verlängert Vertrag mit CEO Gulden

10.03.2026


Der Sportartikelhersteller Adidas hat im abgelaufenen Jahr einen Rekordumsatz von 24,8 Milliarden Euro erzielt und dabei einen Nettogewinn von 1,38 Milliarden Euro verbucht. Der Vertrag von Vorstandschef Bjørn Gulden wurde vorzeitig bis 2030 verlängert, was als Vertrauensbeweis in seine Führung gewertet wird. Gulden hatte das Unternehmen 2023 übernommen und es aus einer schwierigen Phase geführt, die unter anderem durch die Beendigung der Kooperation mit dem Rapper Kanye West und den damit verbundenen Yeezy-Verlusten geprägt war.

Für die kommenden Jahre hat Adidas ambitionierte Ziele gesetzt. Bis 2028 soll die operative Umsatzrendite auf über 10 Prozent steigen, nachdem sie im vergangenen Jahr bereits auf 8,3 Prozent verbessert wurde. Der währungsbereinigte Umsatz soll in diesem und den beiden folgenden Jahren jeweils um einen hohen einstelligen Prozentsatz wachsen. Für das laufende Jahr peilt Adidas ein Betriebsergebnis von rund 2,3 Milliarden Euro an, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Belastungen durch US-Zölle und Wechselkurse in Höhe von etwa 400 Millionen Euro will das Unternehmen dabei wegstecken.

Auf dem US-Markt sieht sich Adidas weiterhin Herausforderungen gegenüber. Der Marktanteil ist dort im Vergleich zu anderen Regionen am niedrigsten, und der Abstand zum Branchenprimus Nike bleibt erheblich. CEO Gulden räumte ein, dass Adidas in Nordamerika "nicht überall ist, wo wir sein wollen". Die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika könnte jedoch helfen, die Position zu stärken. Adidas erwartet, allein mit WM-bezogenen Produkten einen Umsatz von einer Milliarde Euro zu erzielen. Bisher haben sich 13 Mannschaften mit Adidas-Ausrüstervertrag für das Turnier qualifiziert.

Unternehmensintern stehen weitere Veränderungen an. Der ägyptische Unternehmer Nassef Sawiris soll im Mai neuer Aufsichtsratschef werden und damit Thomas Rabe von Bertelsmann beerben. Sawiris hält über seine Familienholding 3,13 Prozent an Adidas und sitzt seit 2016 im Aufsichtsrat. Für Aktionäre plant Adidas höhere Kapitalrückflüsse, darunter eine Dividendenerhöhung um 40 Prozent auf 2,80 Euro pro Aktie für 2025 sowie Aktienrückkaufprogramme in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro für die Jahre 2027 und 2028. Trotz einer kürzlichen Senkung des fairen Werts der Adidas-Aktie durch die DZ Bank von 240 auf 206 Euro bleibt die Kaufempfehlung bestehen, was auf die Vertragsverlängerung mit Gulden und die neuen Wachstumsziele zurückgeführt wird.

Russland-Öl trotz Krieg: US-Schritt setzt Bundesregierung unter Druck

15.03.2026


Die vorübergehende Lockerung der US-Sanktionen gegen russisches Erdöl sorgt in der deutschen Politik für deutliche Irritationen. Washington hat entschieden, für 30 Tage den Verkauf von auf See befindlichem russischem Öl zu erlauben, um die Folgen stark gestiegener Energiepreise abzufedern. Aus Berlin kommt quer durch mehrere Parteien Kritik an diesem Schritt, der mitten in den anhaltenden Kampfhandlungen in der Ukraine erfolgt und gleichzeitig mit den US-Luftangriffen auf Ziele im Iran zusammenfällt.

Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Entscheidung der US-Regierung als „falsch“ und machte deutlich, dass Berlin an der bisherigen Sanktionslinie gegen Moskau festhalten will. „Wir halten es für falsch, die Sanktionen zu lockern“, sagte Merz. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reich warnte vor den finanziellen Folgen eines solchen Schrittes: Sie mache sich Sorgen, „dass wir Putins Kriegskassen nicht noch weiter füllen“. Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter betonte, Russland verdiene durch zusätzliche Öleinnahmen „wieder richtig Geld“ – mit der Folge, dass die Ukraine weiter unter Druck gerate, falls es kein Gegengewicht aus dem Westen gebe.

Besonders scharf fiel die Kritik des Linken-Vorsitzenden Jan van Aken aus, der von einem „doppelt falschen Signal“ sprach. Er verwies darauf, dass US-Präsident Donald Trump selbst einen aus seiner Sicht völkerrechtswidrigen Angriffskrieg führe und den Iran bombardiere, woraufhin die Ölpreise explodierten. Anschließend erlaube Washington den Verkauf russischen Öls: „Dann sagt er im Grunde genommen: Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands ist uns egal. Die dürfen jetzt ihr Öl verkaufen. Was ist denn das für ein Zeichen an die Welt?“ Das signalisiere aus seiner Sicht das „Recht des Stärkeren“ – wer Macht habe, dürfe andere Länder bombardieren.

In der deutschen Debatte formiert sich zugleich Widerspruch gegen den strikten Kurs der Bundesregierung. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) fordert einen nationalen Kurswechsel und drängt darauf, dass Deutschland – anders als bisher – wieder russisches Öl importiert. BSW-Chef Fabio De Masi argumentiert, die USA nutzten russisches Öl zur Dämpfung der Energiepreise, während Deutschland trotz explodierender Kosten darauf verzichte. Er plädiert dafür, über die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt erneut russisches Öl zu beziehen, eine Übergewinnsteuer auf Krisenprofiteure einzuführen und die Spritpreise durch eine sofortige Aussetzung der CO₂-Abgabe zu senken.

Damit prallen in Berlin zwei Linien aufeinander: Auf der einen Seite steht der Anspruch, den wirtschaftlichen Druck auf Moskau durch strikte Sanktionen aufrechtzuerhalten, auf der anderen der Wunsch nach Entlastung von Verbrauchern und Industrie in einer Phase hoher Energiepreise. Die US-Sondererlaubnis für russische Ölverkäufe dient dabei sowohl den Kritikern als auch den Befürwortern eines deutschen Kurswechsels als Argument – die einen sehen darin eine gefährliche Aufweichung der Sanktionsfront, die anderen einen Beleg dafür, dass auch enge Verbündete ihre Energiepolitik pragmatisch an den eigenen wirtschaftlichen Interessen ausrichten.